Der Vorschlag für eine
Europäische Agentur für politische Bildung

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Die Zielsetzung

Den gleichberechtigten Zugang zu politischer Bildung sichern

Zugang zu Bildung ist ein grundlegendes Menschenrecht, das in Artikel 14 der Charta verankert ist. Es ist ein besonders relevantes Recht, weil Bildungszugang Chancengleichheit sichert. Im Fall der politischen Bildung bedeutet dies Chancengleichheit bei der Teilnahme am politischen und gesellschaftlichen Leben. Der gleichberechtigte Zugang zu politischer Bildung sichert somit politischen Rechte und die soziale Integration von Bürgern. Politische Bildung ist deshalb wesentlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt sowie ein stabiles und demokratisches politisches System. Durch die Verbesserung des gleichberechtigten Zugangs zur politischen Bildung kann die EAPB dazu beitragen, dass die Bürgerinnen und Bürger in der Lage sind, am politischen und gesellschaftlichen Leben auf nationaler und europäischer Ebene teilzunehmen. Darüber hinaus würde der Schwerpunkt der EAPB auf lebenslangem Lernen und nicht-formaler und informeller politischer Bildung auch einen gleichberechtigten Zugang für alle Alters- und sozioökonomischen Gruppen gewährleisten.​

Verbesserung der Qualität politischer Bildung

Ein gleichberechtigter Zugang zu politischer Bildung kann nur der erste Schritt sein. Die EAPB sollte sich zusätzlich auf die Qualität der politischen Bildung konzentrieren, da die Lernerfolge nur so gut sein können, wie die Qualität der Lernangebote. Die Bereitstellung qualitativ hochwertiger politischer Bildung durch innovative und zielgerichtete Lernmaterialien und -methoden ist entscheidend. Die EAPB sollte eng mit lokalen und regionalen Akteuren zusammenarbeiten, um den Aufbau von Kapazitäten durch Schulungs- und Trainingsprogramme zu ermöglichen, die auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse in Europa angepasst sind. Lernende und Bildungspraktiker sollten in den Mittelpunkt der Entwicklung einer qualitativ hochwertigen politischen Bildung gestellt werden, sodass sichergestellt ist, dass die Agentur Lernangebote für alle gesellschaftlichen Gruppen in der EU anbieten kann.

Förderung innovativer und digitaler Lernmethoden

Die Förderung von Kompetenzen wie kritischem Denken und (digitaler) Medienkompetenz ist wesentlich für die Stärkung der demokratischen Resilienz in Europa. Desinformationskampagnen und Falschnachrichten sind eine ernsthafte Bedrohung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie. Die COVID-19-Pandemie hat zudem den Bedarf an digitalen und Fernlernmethoden weiter erhöht, die auch nach der Pandemie wichtig bleiben werden. Die EAPB sollte sich daher auf die Entwicklung innovativer und digitaler Lernmethoden konzentrieren, um digitale Medienkompetenzen zu fördern sowie Fernunterricht zu adaptieren. Dies bietet Möglichkeiten Sprachbarrieren zu überwinden, grenzübergreifende Lernprogramme einzurichten und die bestehenden Initiativen der EU in diesem Bereich zu ergänzen.

Das Leitbild

Europäisch

Die Agentur stellt in ihrer Arbeit ausgewogen Informationen verschiedener politischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verfügung.

Unparteiisch

Die Agentur stellt in ihrer Arbeit ausgewogen Informationen verschiedener politischer, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verfügung.

Bedarfsorientiert

Formale, non-formale und informelle politische Bildung soll in Europa dort gefördert werden, wo sie unzureichend oder gar nicht angeboten wird. Bestehende Strukturen und Angebote werden ergänzt, nicht ersetzt oder dupliziert.

Wirkungsorientiert​

Bildungsangebote, -inhalte und -methoden orientieren sich an den Bedürfnissen verschiedener Bevölkerungsgruppen. Die Wirkung dieser soll fortdauernd kontrolliert und evaluiert werden.​

Nachhaltig

Die Agentur fördert nachhaltig politische Bildung und Teilhabe in allen EU Mitgliedsstaaten. Hierfür sind langfristige Strukturen und Programme notwendig.

Die Aufgaben

Forschung & Monitoring

Die Agentur soll jährlich einen Bericht veröffentlichen, der den Zugang und die Qualität politischer Bildung in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten analysiert, um hieraus Handlungsempfehlung und Verbesserungspotenziale abzuleiten.

Capacity-Building-Programme

Die Agentur soll Capacity-Building-Programme zu politischer Bildung, digitalen Lernmethoden und -medien für verschiedene Zielgruppen zur Verfügung stellen

Fördersystematik

Die Agentur soll eine Fördersystematik für non-formale und informelle politische Bildungsangebote erarbeiten und koordinieren, um europaweit die Zivilgesellschaft dabei zu unterstützten, die europäische Grundwerte zu vermitteln.

Digitale Infrastruktur und Methoden

Die Agentur soll digitale Infrastruktur und Lernmethoden zur Verfügung stellen, um innovative und digitale politische Bildung zu fördern.

Austausch zu Lernmethoden und Best-Practices

Die Agentur soll eine Plattform für den Austausch zu Lernmethoden und Best-Practices für Bildungspraktiker anbieten.

Lernmaterialien und -medien

Die Agentur soll Lernmaterialien und -medien für politische Bildung für alle Altersgruppen und in allen europäischen Sprachen zur Verfügung stellen. Auf Basis bestehender und neu entwickelter Materialien soll eine Datenbank für Bildungspraktiker entstehen, um diese im Klassenzimmer und darüber hinaus bei ihrer Arbeit zu unterstützten.

Kooperationspartner

Das Diskussionspapier wurde in Kooperation mit dem European Policy Centre (EPC) veröffentlicht, ein unabhängiger, gemeinnütziger Think Tank, der sich zum Ziel gesetzt hat, die europäische Integration durch Analysen und Debatten zu fördern, europäische Entscheidungsträger auf allen Ebenen zu unterstützen und herauszufordern, fundierte Entscheidungen zu treffen, die auf fundierten Erkenntnissen und Analysen beruhen, und eine Plattform für die Einbindung von Partnern, Interessengruppen und Bürgern in die EU-Politik und in die Debatte über die Zukunft Europas zu bieten.